Replik auf Sascha Lobo’s „Abschied von der Utopie: Die digitale Kränkung des Menschen

Die Idee digitaler Netzwerke ist und bleibt großartig, die Frage der Kontrolle über das Internet allerdings ist ein Punkt, der in diesem Jahr mit Sicherheit eine breite Diskussion auslösen wird, die Frage nach dem Datenschutz erweitert und nach grundsätzlichen Wegen und Lösungen ruft. Aber: wird es die geben und falls ja, wie?

Ein lesenswerter Artikel von Sascha Lobo, der gerade für Marktforscher und den Umgang mit sensiblen Daten relevant ist. In früheren Beiträgen auf diesem Blog ist meine „immer langsam“-Haltung in Bezug auf das grenzenlose Vertrauen ins Internet und allem, was online ist vielleicht bereits deutlich geworden.

Im Vordergrund der aktuellen Debatte steht jedoch die Frage des Internets bzw. wer ‚Schuld‘ daran ist, dass die ursprüngliche Idee des ‚demokratischen‚ im Internet jetzt durch das ‚umfassend kontrollierende‚ abgelöst wurde. Desillusionierend ist das nicht wirklich, irgendwie eher zu erwarten gewesen (spätestens seit Snowden im letzten Sommer).

Die Repliken auf die These von Lobo ließen natürlich nicht lange auf sich warten. Grundtenor: es ist der Mensch und sein Drang, alles kontrollieren und eine (vermeintliche) Sicherheit schaffen zu wollen, der das Internet ‚infiziert‘ hat. Für mich ist das nicht wirklich ein Argument, weil der Mensch sich in seiner Geschichte im Wesentlichen nie wirklich verändert hat. Es gab immer und es wird immer Leute und Gruppen geben, die, aus welchen Gründen auch immer, Macht wollen und diese Macht auch erhalten (haben). In der Geschichte gibt es für das Spiel zwischen Utopie und Unfreiheit genügend Beispiele: nach dem 2. Weltkrieg gab es für nicht wenige die Utopie einer gerechten Gesellschaft in der DDR und leider dauerte es gar nicht lange, bis diese Utopie mit Gewalt zertreten wurde.

Es hilft nicht viel, wenn man den Menschen verantwortlich macht, weil der Mensch anfällig ist.

Was aber möglich ist, und dafür ist es nicht zu spät, ist die Kontrolle über das Internet zu kontrollieren. Es wäre keine gute Entwicklung, wenn das Internet unter wenigen aufgeteilt wird. Leider sind diese Entwicklungen bereits abzusehen; umso wichtiger ist es, ihnen gewahr zu sein und geeignete Wege und Instrumente zu finden, das Internet nicht auf Dauer zu einem Machtinstrument werden zu lassen.

In diesem Zusammenhang kommt dem demokratischen Staat eine wichtige Rolle zu. Die Idee eines von der Wirtschaft und anderen Interessen unabhängigen und demokratischen Staates und seiner Organe und Möglichkeiten bietet die Chance,  das Internet vor der Komplettkontrolle durch wenige zu bewahren. Vielleicht weniger eine Utopie, sondern durchaus ein reeller Weg. Wichtig dafür ist eine lebendige Diskussion und ein Bewusstsein für die Risiken, die das Internet trotz aller Vorzüge eben auch mit sich bringt, aber auch für die ‚Würdigung‘ einer freien Meinungsäußerung (die leider in vielen Staaten nicht möglich ist). Eine Gesellschaft, die Verantwortungsgefühl und Verantwortung zeigt und ausdrückt und die die Möglichkeit hat, gehört zu werden, kann dieses Bewusstsein erzeugen. Das Internet ist als technologische Basis ein ganz zentrales Instrument, dieses Bewusstsein zu vermitteln und bietet Möglichkeiten der Verbreitung, die es nie zuvor gegeben hat. Diese ‚Chance‘ gilt es trotz aller Desillusionierung zu nutzen.

Abschied von der Utopie: Die digitale Kränkung des Menschen – Debatten – FAZ.

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