Flickr und das Terrabyte: Eine neue Ära. Der Onlinemarkt, PC’s und die Auswirkungen auf die Marktforschung

Der Übernahme von Tumblr durch Yahoo und die am selben Tag bekannt gegebenen Veränderungen bei Flickr läuten eine neue Ära jetzt auch offensichtlich ein: die endgültige Verlagerung von Inhalten ins Netz.
1 Terrabyte Speicher sind gleichbedeutend mit der Möglichkeit, alle Inhalte die ein ’normaler‘ Mensch im Laufe seines Lebens so anhäuft – Bilder, Dokumente etc. – komplett im Netz zu speichern. Es gibt keine Limits mehr.

Nun, im Prinzip klingt das ja nicht neu, aber das Weglassen so gut wie aller Einschränkungen was die Datenmengen angeht – ich bewerte die die 49 Dollar im Jahr, die man für den Verzicht auf Werbung und zu transferierender Datenmengen pro Monat aufbringen muss als weniger relevant – bedeuten einen  gravierenden Wechsel und spiegeln den Kampf um die Vorherrschaft im Onlinemarkt wider. Als Consumer wird man sich entscheiden müssen …

Es wird spannend auf dem Onlinemarkt und alle Protagonisten bringen sich zunehmend in Stellung:

  • Yahoo will wieder eine Rolle spielen mit der Einbindung von Tumblr und Flickr sowie der Nachricht, sich bei beim Thema ‚Suche‘ von Microsoft zu trennen und stattdessen mit Google zusammenzuarbeiten, könnte dies sogar gelingen. Das Thema ‚Bilder‘ spielt bei sozialen Netzwerken und beim Speichern von Inhalten eine zentrale Bedeutung und Yahoo hat mit Flickr eine qualitativ angesehene Marke im Portfolio.  
  • Google hat mit den Neuankündigungen auf der letzten Entwicklerkonferenz deutlich gemacht, die Integration seiner Dienste zügig vorantreiben zu wollen. Google+ funktioniert als Netzwerk immer mehr und könnte sich langfristig für viele als gangbare Alternative zu Facebook etablieren. Google+ hat in seinem neuesten Update das Thema ‚Bilder‘ deutlich aufgewertet.
  • Facebook hat zwar eine riesige Nutzergemeinde, dafür aber ein Imageproblem im Hinblick auf die Vertraulichkeit und Sicherheit der Daten und wird Schwierigkeiten haben, in der Breite so gut aufgestellt zu sein wie Google (und mit Abstrichen Apple und Yahoo). Der Kauf von Instagram war konsequent und ‚passend‘; dennoch bleibt die Frage, wie und wohin sich Facebook langfristig entwickeln will… auch wenn man in zwei Jahren zwei Milliarden Mitglieder hat.
  • Apple hat ein in sich gut funktionierendes Ökosystem (iCloud, iTunes, Fotostream) hinkt aber in der Breite und hinsichtlich der Integration teilweise hinter Google hinterher. Vor allem im Bereich der sozialen Netzwerke ist die Marke schlecht aufgestellt. Ob die Integration von Facebook ins Betriebssystem gut und von Dauer ist, wird sich zeigen. Ich habe meine Zweifel. Dennoch wird mit Apple absolut zu rechnen sein, weil Veränderung und Wandel Teil der Identität der Marke sind.  
  • Microsoft: im Business-Bereich weiterhin stark und v.a. verlässlich. Im ebenfalls wichtigen Consumermarkt aber hat Microsoft weniger gute Karten. Die Kooperation mit Nokia, ein bisschen Facebook, alles nett, aber nicht wirklich überzeugend. Technisch teilweise gar nicht wirklich schlecht (Skydrive, Office 365). Microsoft schafft es aber nicht, bei Technologien Trendsetter zu sein. Sie sind eine Mainstream-Marke und werden es auch bleiben, was kein Nachteil sein muss.
  • Twitters Rolle ist interessant, weil es der nächste noch ‚unabhängige‘ Name ist, der für Übernahmen ins Gespräch kommt und immer war.  Und wo wir mit dem Thema ‚Speicher‘ angefangen haben: auch Dropbox ist ein interessanter Kandidat. Auch LinkedIn’s ‚Macht‘ als Netzwerk wird immer noch etwas zu gering angesehen.



Und die Marktforschung?
Veränderung ist auch hier die Devise. Eine sich entwickelnde und äußerst dynamische Industrie, die den technischen Wandel und seine Auswirkungen anfangs schwer, aber mittlerweile besser in den Griff zu bekommen scheint.

Das Flickr-Terrabyte läutet eine weitere Veränderung des Verhaltens von Konsumenten ein. Diese Veränderungen werden sich vielleicht nicht unmittelbar zeigen, die Richtung allerdings ist vorgegeben und unumkehrbar.

Der Verlagerung dessen, was bis jetzt noch auf einem PC gelagert wird ins Internet, bedeutet über kurz oder lang auch das Ende des klassischen PC’s. Wozu brauchen wir den noch? Gut, für die Arbeit ist es gut und praktisch, aber für den privaten Bereich werden Tablets die Notebooks verdrängen, so wie die Notebooks die klassischen PC’s verdrängt haben. In einer von Projekten habe ich stark den Eindruck gewonnen, das der PC im privaten Bereich mehr und mehr für spezielle Aufgaben eingesetzt wird. Davon ist eine die Bearbeitung von Bildern, die jedoch mittlerweile auf Tablets wunderbar funktioniert und für den ’normalen‘ User eine mehr befriedigende Lösung darstellt bzw. darstellen wird. Allgemeiner Schriftverkehr geschieht bereits weitgehend über Email.

Das Ende des klassischen PC’s bedeutet ebenfalls das langsame Ende klassischer Online-Studien. Man wird nicht mehr vor dem PC sitzen wollen, um längere Fragebögen ausfüllen zu wollen oder müssen. Mit den mobileren Geräteren wachsen die Anforderungen nach entsprechenden Wegen und Möglichkeiten der Befragung. Es ist wieder (und wie so oft in der kürzeren Vergangenheit) das Thema ‚Mobile Research‘, welches durch die neuesten Entwicklungen befeuert wird. Die Definition dessen, was Mobile Research ist, muss allerdings weit gefasst werden. Mobil ist man ja im Prinzip schon, wenn man sich zum Beantworten weniger Fragen mit seinem iPad an seinen Lieblingsplatz in der Wohnung begibt …

Marktforschung wird spontaner und flexibler. Micro-surveys werden im traditionellen Consumer-Bereich die klassischen Online-Fragebögen ablösen. Das Erfassen des ‚Moments‘ wird weiter an Bedeutung gewinnen. Der Anspruch, mit Marktforschung so authentisch wie möglich zu sein. Klassische Fragebogenkonzepte haben diesbezüglich Defizite und werden an Relevanz verlieren (wobei es immer spezifische Zielgruppen und Bereiche geben wird in denen diese Methode die richtige und angemessene sein wird).



Fortsetzung folgt …







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